Kunst-Projekte von Waury Presseartikel - Übersicht vorheriger Artikel nächster Artikel KUNST Waury
Es erklang in der Turnhalle afrikanische Musik während bunte Lichtbilder über die provisorische Dia-Wand liefen und in einem Film den Anwe-senden der gesamte Ablauf vom ersten bemalten Tuchzipfel bis hin zur Kunstaktion in Nagold vorgeführt wurde. Dort waren die großflächigen Bilder mehrere Wochen lang im Stadtkern aufgehängt. Entstanden sind diese textilen „Zwischenbilder“ zum Thema Asyl alle in der Turnhalle in Heiligenbronn.

Während Waury meterlange Handtuchrollen aus Stoff ausbreitete und bemalte, hatte er ständig Besuch von einem Teil der insgesamt 150 Asyl-bewerber in Heiligenbronn und ihren Kindern. Aber es kamen auch Kriegsflüchtlingen, die zur Zeit im Kloster St. Antonius wohnen. Bald schon wurden nähere Kontakte geknüpft, aus denen inzwischen teilweise Freundschaften wurden.

Die Vorarbeit für die Kunst-werke wurde zu einem internationalen Ereignis, einem sogenannten multikulturellen Kunsterlebnis. Die Kinder wollten nicht nur zusehen, sondern selbst aktiv werden, und so band Waury einige von ihnen in sein Projekt ein.

Die Zwischenbilder tragen diesen Namen, weil sie aus

„Kunsthappening“ und Fest im Kloster St.Antonius in Heiligenbronn:
zwei selbständigen Bildern ent-stehen und erst am Schluss zu einem Kunstwerk werden. Bei den bemalten Handtuchrollen erübrigte sich das Auseinan-derschneiden, wie dies sonst für das Zusammensetzen der Zwischenbilder nötig ist. Streifen um Streifen werden die Bilder wechselweise neben-einander gruppiert. Um die verschiedenen Betrachtungs-weisen zu ermöglichen, werden die Bildabschnitte auf eine im Zick-zack gebogene Metall-schiene aufgereiht. Erst in der Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven vermitteln die Kunstwerke ihre Aussagekraft.

Das rotblaue Zwischenbild mit dem Titel „Spirale & rote Spuren“, das bei der Aktion entstand, ist eine Wiedergabe von Empfindungen, die durch Musik gesteuert wurden. Die rote Seite entstand zum Beispiel, während im Hinter-grund Disco- und Techno-Musik gespielt wurde. Ein besonderes Erlebnis war es, das 8x8 Meter große Bild zu betrachten, während der Wind als Naturphänomen für eine Auflösung der klaren Bildseiten sorgte.

Das Projekt „Asyl in Blau“ hat eine weibliche und eine männ-liche Seite. Das eine sind die Körperumrisse von Mädchen, die in einer Traumhaltung auf den Textilbahnen

wiedergegeben sind, das andere die von Jungen, die in Karatestellung abgebildet wurden. Auch diese Bilder wurden miteinander vermischt und zu einem „Zwischenbild“ zusammengesetzt. In der Turnhalle war am Samstag außerdem das Bild „Eurafri“ zu sehen, auf dem das Gesicht des Künstlers selbst und das von dessen Freund aus Togo zu einem Bild verschmolzen sind.

Weil ein solches Projekt sehr aufwendig ist und es auch in der heutigen Zeit nur wenige Künstler gibt, die von der Kunst leben können, ging Waury auf die Suche nach Sponsoren. Er hatte dabei aber wenig Glück. Außer Personen, die die Idee ideell unterstützten oder ihre Gebäudeflächen zur Verfügung stellten, konnten sich nur wenige für die Idee er-wärmen. Zwei Waldachtaler Firmen stifteten Sachspenden für die Anschlussfeier am Samstag. Peter Waury band die Anwesenden am Samstag in seine Darbietung ein. So untermalte Adam Nouroudini aus Togo die gezeigten Licht-bilder von Kunstwerken zum Thema Afrika mit afrikanischer Trommelmusik.

Bürgermeister Heinz Horn-berger freute sich darüber, daß Kunst in Heiligenbronn die Menschen verschiedener Nationen ein wenig näher gebracht hat. Er zeigte sich beeindruckt von den Kunst-werken und von der Idee des Künstlers. Daß alles möglich war, haben Kunstliebhaber und Künstler der Oberin Schwester Reinholda zu verdanken, die sich der modernen Kunst ge-genüber aufgeschlossen zeigte.

Werke zum Thema „Asyl in Blau“

Peter Waury schuf zusammen mit Asylbewerbern und Kindern verschiedene „Zwischenbilder“

WALDACHTAL/HEILIGENBRONN (she). In Heiligenbronn gab es am Samstag Nachmittag ein Kunstereignis besonderer Art. Die alte Turnhalle des Klosters St. Antonius behauste erstmals ein Kunsthappening. Hauptfigur war der Lützenhardter Künstler Peter Waury. Er hat in einer einmaligen Aktion und teilweise gemeinsam mit in Heiligenbronn wohnenden Asylbewerbern mehrere Kunstwerke zum Thema „Asyl in Blau“ geschaffen. Am Samstag nun war die Abschlussfeier für das Projekt.
Kunstprojekte von Waury
Südwest Presse 22. August 1995